Alte Hetzerather Ortsansichten:
Ein historischer Dorfrundgang!

Als ob es noch eines weiteren Beweises bedarf: Unser Dorf hat sich in den letzten Jahrzehnten rasant gewandelt. Auf insgesamt 10 liebevoll gestalteten Schautafeln hat Michael Braun alte Hetzerather Straßenansichten zusammengetragen, Monika Traut-Bonato trug die hierzu jeweils passenden Texte bei. Kommen Sie mit auf eine spannende Zeitreise zurück in die Hetzerather Ortsgeschichte!

1. Die Kirchstraße mit altem Pfarrhaus

Standort: Parkplatz oberhalb der Kirche

Verschiedene Ansichten der Kirche, des alten Pfarrhauses und der Kirchstraße (Bild mit Pferdegespann: das ehemalige Haus Thieltges)

Noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zierten ganze Häuserreihen die Kirchstraße rechts und links der Kirche und auch teilweise gegenüber, zudem befand sich ein imposantes Pfarrhaus vor der Kirche. Das heutige Gotteshaus wurde im 19. Jahrhundert fertiggestellt. Bereits im 18. Jahrhundert war es das überragende Gebäude in dem damals kleinen Ort. Eine Grafik von 1750 zeigt, dass es rund um die Kirche viele Rundbögen und stattliche Gebäude gab. Noch bis ins 20. Jahrhundert existierten Rundbögen zwischen dem ehemaligen Haus Ferber und der Kirche wie auch an den Eingängen der Keller des alten Pfarrhauses.

Recht streng ging es damals in der Kirche zu. So erzählt ein Zeitzeuge: „In der Kirche passten Seher darauf auf, dass die Leute sich benahmen. Pastor und Kirchenvorstand hatten diese Männer ausgesucht. Auch die Kinder mussten sich benehmen, auf sie passte der Lehrer auf.“ Ein Teil des alten Hetzerather Pfarrhauses war jahrzehntelang als Lehrerinnenwohnung an die Ortsgemeinde vermietet. Dies missfiel den Pfarrern und führte bereits 1925 zu einem Disput zwischen Zivilgemeinde und Pfarrgemeinde. Pfarrer Scholten wollte bereits damals einen Pfarrhausneubau, den die Ortsgemeinde ablehnte. Erst vier Jahrzehnte später, von 1969-71, fand der nicht unumstrittene Abriss des alten und Bau eines neuen Pfarrhauses statt. Im Jahr 1970 erfolgte die Neugestaltung des Platzes vor und links neben der Kirche, 1978 die Gestaltung des Geländes rechts neben sowie hinter der Kirche.

 

2. „Krämisch Ecken“

Standort: Brunnenplatz an der Kirche

Der „Krämisch-Ecken” unterhalb der Kirche (heute Brunnenplatz an der Kirche) und das Haus Marx (Bild rechts in der Mitte). Alle Häuser wurden im Rahmen der Neugestaltung abgerissen.

In der Vergötterung des Neuen kommt der schwindelerregende Wandel zum 2 Vorschein, der Hetzerath seit den 1960er/70er Jahren erfasste. Mit dem landwirtschaftlichen Strukturwandel veränderte sich das Aussehen des Ortes sukzessive. Immer mehr Bauern übten den Beruf nicht mehr aus, sie wurden Angestellte und Arbeiter. Ställe, Scheunen und Maschinenschuppen verschwanden nach und nach.

Bestes Beispiel hierfür ist der Kirchenvorplatz unterhalb der Kirche. Die heute mit Ruhebänken, Treppenaufgängen, Brunnen und Wiese versehene Fläche lässt nicht einmal mehr erahnen, dass sich noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts an dieser Stelle der unausgesprochene Dorfmittelpunkt mit sieben Wohnhäusern inklusive Stallungen und Scheunen befand. Nur wenige Meter weiter abwärts stand das wohl markanteste Gebäude des Ortes, die alte Schule. Jahrhundertelang war die Landwirtschaft die Existenzgrundlage der hiesigen Bevölkerung, sie prägte den nicht immer leichten Alltag.

Der Wandel vollzog sich im Zuge der Industrialisierung, in Hetzerath bot das Aufkommen der Eisenbahn Ende des 19. Jahrhunderts erstmals lukrative neue Beschäftigungsmöglichkeiten. Nicht mehr überlebensfähige bäuerliche Voll- und Nebenerwerbsbetriebe sind fast vollständig verschwunden. Sie wurden abgerissen und durch neue Häuser ersetzt, Scheunen wurden oft zu Wohngebäuden umgebaut. Die Ansprüche an Lebens- und Wohnqualität stiegen. Kleine Zimmer, kalter Fußboden der meist nicht unterkellerten Häuser, schiefe Bruchsteinwände und wenig Licht aus kleinen sandsteinumrahmten Fenstern genügten den Anforderungen an modernes Wohnen nicht mehr. Die Agrarwirtschaft ist heute nur noch für wenige Familien Erwerbsgrundlage.

 

3. Das alte Kirchgässchen/Hauptstraße mit dem alten Sportplatz

Standort: Haus Lehnertz

Verschiedene Ansichten des Kirchgässchens und der Hauptstraße sowie der alte Sportplatz am heutigen Standort der Tennisplätze.

 

Das Anwesen Lehnertz ist ein typisches Beispiel für die am häufigsten in der Region im 19. Jahrhundert vorkommende Hausform, das Trierer Einhaus. Es vereinigt Wohngebäude, Stallungen und Scheune unter einem Dach. Das klassische Trierer Einhaus war ursprünglich konstruiert mit begehbarer offener Feuerstelle in der Küche, von der aus über die dahinter eingebaute gusseiserne Takenplatte die angrenzende Wohnstube „geheizt“ wurde – vor 200 Jahren neben dem Vieh die einzige Wärme quelle im Haus. Einst der Stolz von Generationen, entsprach es in den 1970er Jahren nicht mehr den Vorstellungen modernen Wohnens.

Mit dem Wandel der landwirtschaftlichen Produktionsbedingungen und dem Aufkommen neuer Beschäftigungsmöglichkeiten veränderte sich das Gesicht des Dorfs. Zu kleine Höfe im Ortskern wurden zugunsten von Aussiedlerhöfen aufgegeben. Neubaugebiete am Dorfrand raubten den alten Ortskernen ihre Funktion. Arbeitsplätze außerhalb, Supermärkte auf der grünen Wiese – diese Entwicklung führte bei fast allen Dörfern dazu, dass die ursprüngliche Infrastruktur kaum noch genutzt wurde. Nacheinander schlossen Bäcker, Metzger, Lebensmittelläden, Gaststätten und Bankfilialen. In Hetzerath sind glücklicherweise wieder zahlreiche Unternehmen in der Ortsgemeinde angesiedelt, die vom produzierenden Gewerbe bis zum Dienstleistungssektor für eine gute Infrastruktur sorgen.

Der langjährige alte Sportplatz mit Sitztribünen am Hang hinter der Kindertagesstätte wurde in den 70er Jahren an den neuen Standort am Bahnhof verlegt. Heute ist der ursprüngliche Platz wieder ein Ort für Ballspiele, die Tennisplätze wie auch der Bolzplatz sind hier angesiedelt.

 

4. Schwimmbad im Kirchgässchen

Standort: Hang oberhalb des Kindergartens

Das frühere Hetzerather Schwimmbad am heutigen Standort des Kindergartens.

 

Mit den grundlegenden Veränderungen im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts vergrößerte sich der alte Ortskern Stück um Stück.  Vorher schon war Hetzerath durch die Einrichtung einer Postkutschenstation im 18. Jahrhundert ein regionaler Verkehrsknotenpunkt geworden. Nun wurde der Ort 1823 zusätzlich ein mikroregionales Zentrum, denn die drei Bürgermeistereien Hetzerath, Sehlem und Heidweiler verwaltete fortan der Hetzerather Bürgermeister.

Die Verwaltung war zunächst in Privathäusern untergebracht (Servatius / heute Hauprich, Meyer / Kirchstraße, Kaufhaus Braun / Hauptstraße). Diese Ära endete mit dem Bau eines Verwaltungsgebäudes in der unteren Bahnhofstraße 1898. Die eigentliche Entstehung der Bahnhofstraße begann erst Mitte des 20. Jahrhunderts, obwohl bereits das Amt dort war und 1910 ein neues zusätzliches Schulhaus hinzukam. Bis in die Zeit um 1970 war nach und nach eine geschlossene Bebauung zwischen dem Ortskern und dem 1 km entfernten Bahnhof entstanden.

Die Bahnstrecke Trier- Koblenz, 1879 eröffnet, machte Postkutschen fortan in Hetzerath überflüssig.  Recht schnell profitierten die Hetzerather von der „Eisenbahn“.  Viele Menschen fanden hier einen neuen Arbeitsplatz. Der alte Marktplatz in der Bahnhofstraße wurde noch bis in die 1950er Jahre genutzt, bis er dem Bau der neuen Grundschule weichen musste.

Ein nur kurzes Intermezzo hatte das Hetzerather Schwimmbad. Unbeeindruckt vom beginnenden Zweiten Weltkrieg beschloss der Hetzerather Gemeinderat 1939, ein Freibad zu bauen, das 1940 fertiggestellt wurde. Die Freude daran währte nicht lange, es verfiel in den Kriegsjahren und wurde nicht wieder aufgebaut. Das Freibad befand sich am Standort der heutigen Kindertagesstätte.

 

5. Die alte Hauptstraße

Standort: Parkplatz altes Haus Keilen

Ehemaliges Kaufhaus Schmitz, später Haus Tiwi, spielende Kinder in der Haupstraße, die Brücke über den Kaselbach, Haus Haubrich mit Blick in die Hauptstraße vom heutigen Kreisel, Haus Braun.

Im Lauf der Dorfgeschichte  gab es immer wieder Probleme bei heftigem  oder langanhaltendem Regen im Bereich der Brücke am heutigen Kreisel und in der Hauptstraße. Denn jahrhundertelang flossen der Heldbach und ein Rinnsal auf der gegen überliegenden Straßenseite als offene Wassergräben auf der Hauptstraße. Sie waren auch der Grund, warum die Hetzerather scherzhaft immer als „Rummelwäscher“ bezeichnet wurden. In den Bachgräben wurden die Rummeln (Runkelrüben) gewaschen und manche kippten auch ihr „Pisstöpfchen“ morgens früh darin aus. Zudem liefen die Überläufe der Jauchebehälter in den Bach.  Von reinem Wasser konnte folglich keine Rede sein.

Bei Kälte gefror das Wasser aus dem Bach und die Straße wurde spiegelglatt. Sie war dann gefährlich für jeden, der sich auf ihr bewegte. Besonders schlimm war eine Überschwemmung 1926 nach einem Sturzregen, der fast den gesamten Ort im Bereich der Hauptstraße unter Wasser setzte.  Mit dem Problem Hochwasser hatten die Anwohner der Hauptstraße oft zu kämpfen.

Dann führten der Heldbach und das Rinnsal dermaßen viel Wasser mit sich, dass die gesamte Hauptstraße überschwemmt wurde. Aus diesem Grund waren die Häuser in dieser Straße auch nicht unterkellert. Erst 1954 erfolgte eine spürbare Milderung der Überschwemmungsprobleme, nachdem der Dorfbach in einen Kanal unter der Straße verlegt wurde. Und seitdem konnten die Hetzerather auch nicht mehr wirklich „Rummelwäscher“ genannt werden, denn mit dem Waschen der Rummeln am offenen Wasser in der Hauptstraße war nun Schluss.

 

6. Die alte Hauptstraße

Standort: Hof Gasthaus Reh-Braun

Hochzeitsgesellschaft Reh mit Blick vom Hof des alten Gasthauses (Reh)-Braun auf das Haus Burg (heuteVolksbank), altes Kaufhaus Braun-Krischel (heute Haus Thielmann), Szenen im „Dollen-Ecken”

 

Die Aufnahmen (Anfang bis Mitte 20. Jhdt.) zeigen beispielhaft, wie sich das Erscheinungsbild des Dorfes verändert hat: Viele der alten ortsbildprägenden Gebäude sind in den letzten Jahrzehnten Neubauten oder Parkplätzen gewichen.

Etwa 200 Jahre vor den Fotoaufnahmen war Hetzerath noch sehr dünn besiedelt. Einzig die heutige Hauptstraße mit dem „Goldenen Ecken“ und dem „Dollen-Ecken“, die Kirchstraße, die Klüsserather Straße und der Zuckerberg waren schon zu dieser Zeit bebaut. „Im Zuckerberg“ stehen derzeit die beiden ältesten noch erhaltenen Häuser von Hetzerath. Das ist zum einen das Haus Werner (1753), zum anderen das alte Haus Reh (1782).

Neben der geringeren Bebauung im 18. und 19. Jahrhundert war auch der Dorfalltag ein anderer als gegenwärtig. Er wurde bestimmt von der schweren Arbeit in der Landwirtschaft, sie bestimmte den Tagesablauf und die Regeln des Zusammenlebens. Im Gegensatz zu heute wurden die Kinder mit in den Arbeitsalltag eingebunden und mussten sehr früh Verantwortung und häusliche Pflichten übernehmen. So wurden sie auf das Erwachsenenleben vorbereitet und ihre Arbeitskraft diente der Existenzsicherung des Hofes. Zu den Tätigkeiten, die Kinder übernehmen mussten, gehörten z.B. neben Feldarbeiten wie Jäten, Rübenhacken und Kartoffellesen auch das Beerenpflücken, Kräutersammeln und Viehhüten.

Enorm wichtig war auch das Verhältnis zur Nachbarschaft. Was wir heute noch unter dem Begriff „Nachbarschaft“ verstehen, war in der Vergangenheit eine Verpflichtung dem anderen Dorfbewohner gegenüber. Die Gegenseitigkeit von Hilfe war ein unausgesprochenes Gesetz.

 

7. Die alte Hauptstraße

Standort: Hauptstraße Höhe Zebrastreifen

Straßenkarneval in der Hauptstraße, Schuhmacher Braun (heute Allianz Generalvertretung Haas & Haas), Kaufhaus Thewes beim heutigen Zebrastreifen, Metzgerei Kröschel (heute Fleischerei Hartl)

Auf der Hauptstraße in Hetzerath pulsierte im 19. und 20. Jahrhundert das Leben: Hier spielte sich das Dorfgeschehen ab, wurden die Neuigkeiten weitergegeben, nach der Arbeit  Viez oder Bier getrunken. Vor fast jedem Haus stand damals eine Bank, auf der sich die Nachbarschaft und besonders die alten Leute im Sommer abends auf ein Schwätzchen und einen Viez trafen. Einer der Treffpunkte war beispielsweise der Platz vor der Einfahrt in das Kirchgässchen (Kornmarkt) zwischen den Häusern ehemals Kröschel (heute Hartl) und ehemals Ballmann sowie gegenüber dem Follmanns Ecken (Kirchgässchen). Hier trafen sich die Männer bei schönem Wetter abends und lästerten über das Dorfgeschehen.

Und selbst im Winter trafen sich die Nachbarn in der „guten Stube“, um beispielsweise gemeinsam Weiden zu putzen, Körbe zu flechten und dabei Konversation zu betreiben. Der „Rückzug“ in die Privatsphäre und die Häuser, so wie wir das heute kennen, ist erst in den letzten Jahrzehnten entstanden.

Weitere Zentren der Geselligkeit waren neben der Straße die Gasthäuser. Hier wurde debattiert, diskutiert und getrunken. Das oft eintönige und schwere Leben wurde zudem unterbrochen durch jährlich immer wiederkehrende Feste und Feiern wie beispielsweise die Hubertuskirmes, einer der Höhepunkte des Jahres oder Karneval. An solchen Tagen waren die beiden Säle Paltzer und Breiling Mitte des 20. Jahrhunderts die wichtigsten Orte im Dorf überhaupt. Kirchenfeste mit ihren Prozessionen waren willkommene Höhepunkte im arbeitsreichen Sommer.

 

8. Die alte Hauptstraße

Standort: Hauptstraße Höhe Brennerei Hauprich

Blick in die Hauptstraße vom Gasthaus Hauprich aus, Friseur Schertel (heute Bäckerei Flesch und angrenzende Parkplätze), verschiedene Ansichten das Gasthauses Hauprich, Haus Haas (später Haus Niesel – im Zuge der Gestaltung des Dorfplatzes abgerissen)

Bauer war jahrhundertelang der häufigste deutsche Beruf. So gut wie alle lebten von der Landwirtschaft, so auch in Hetzerath. Allerdings gab es hier  im Gegensatz zu einigen Nachbargemeinden bereits recht früh eine große Anzahl an Geschäften und Handwerksbetrieben, nicht zuletzt basierend auf der frühen Anbindung an das Postkutschen- und später Eisenbahnnetz,  einer gut ausgebauten Durchfahrtsstraße sowie dem Amtssitz.

Mitte und Anfang des 20. Jahrhunderts mutete die Hauptstraße an wie eine kleine Einkaufsmeile in dem ansonsten einfachen Bauerndorf. Das Angebot an Waren und Dienstleistungen war recht umfangreich, größer als heute. Neben sämtlichem Baube darf (Holz- und Baumaterialien, Herde und Öfen, Kunstdünger, Maler- und Anstreichergeschäften, Bau- und Möbelschreinereien) konnten sich die Kunden in Hetzerath mit sämtlichen Lebensmitteln (Bäckereien, Butter und Fische, Salz, Lebensmittelgeschäfte) und Hausrats-Gegenständen (Nähmaschinen,Kolonialwaren und Kohle)  eindecken. Für Bekleidung von Kopf bis Fuß war gesorgt (Stoffe, Hüte, Anzüge, Schneidereien, Schuhgeschäfte), das leibliche Wohl kam nicht zur kurz (zahlreiche Gasthäuser boten Speisen an) und sogar Fremdenzimmer und Gartenwirtschaften waren vorhanden.

Daneben gab es zahlreiche Tankstellen, eine Rebspritzenfabrik sowie ein Fahrradgeschäft. Stattliche Kaufhäuser (Stolz, Braun, Thielmann) präsentierten sich den Kunden. Aus vielen Nachbarorten kamen die Menschen, um in Hetzerath einzukaufen. Eine Zeitzeugin erinnert sich: „Wenn die Leute von nah und fern nach Hetzerath zum Amt kamen, dann kauften sie auch im Ort ein.“

9. Die alte „Schulkurve” heute Hauptstraße/Kirchstraße mit Feuerwehrhaus

Standort: Feuerwehrhaus

Haus Bläsius, Hochzeitsgesellschaft (im Hintergrund die abgerissenen Häuser am heutigen Standort des Feuerwehrhauses), Hochzeitsgesellschaft Gasthaus Paltzer, die alte Kurve mit Blick auf die Bäckerei Braun (heute Kaminbau Holstein und Eisdiele)

Gleich zwei tragische Ereignisse spielten sich im Bereich der ehemaligen Bäckerei Braun Mitte des 20. Jahrhunderts ab. Am 2. März 1945 vormittags bombardierten amerikanische Aufklärungsflugzeuge die alte Backstube, das daran angrenzende Haus Mittler (heute Apotheke), den Innenhof vom Anwesen Vinzenz Bläsius sowie die Dorfmitte (Haus Tormann, wurde komplett zerstört) und es fielen Bomben im Sträßchen. Hinter der Backstube Braun war eine Feldküche aufgebaut, bei der etliche Soldaten sich zur Essenausgabe aufhielten. Diesen Bereich trafen gleich zwei Bomben.

Drei Angehörige der im angrenzenden Haus wohnenden Familie Mittler kamen ums Leben:  Mutter Maria, die 23-jährige Tochter Maria  und der 16-jährige Sohn Albert. 13 Soldaten wurden getötet, viele weitere verwundert. Einen Tag vorher waren in Erlenbach bereits Bomben gefallen. Hierbei kamen zwei auf dem Erlenbacher Hof beschäftigte Melkerinnen sowie eine junge Französin ums Leben.

Ein weiteres tragisches Unglück an dieser Stelle ereignete sich am 6. Oktober 1972, einem Freitagmorgen um 5.40 Uhr. Ein Tanklastzug mit 28.000 Litern Benzin aus Richtung Trier kommend kippte in der Kurve um, schlug auf dem Bordstein auf und verwandelte die Hauptstraße in ein Flammenmeer. Wie durch ein Wunder konnten sich die Bewohner der drei Wohnhäuser retten und erlitten lediglich Rauchvergiftungen. Die Feuerwehr war innerhalb weniger Minuten vor Ort. Die drei zerstörten Häuser wurden nach dieser Katastrophe abgerissen. An ihrer Stelle wurde ironischerweise das neue Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Hetzerath errichtet.

 

10. Die alte Posthalterei in der Kirchstraße/Hauptstraße

Standort: Kurve unterhalb der Kirche

Verschiedene Ansichten der Posthalterei/alten Schule

Nichts bewegte die Gemüter in Hetzerath so sehr wie der Abriss der alten Schule, dem markantesten Gebäude im Dorf, das sich majestätisch an die  Kurven der Kirch- und Hauptstraße schmiegte. Seine Architektur und Größe   prägten wesentlich das Ortsbild. 1868 hatte die Gemeinde die Pferdewechselstation von Posthalter Servatius gekauft und sie zu einem Schulhaus umgebaut.

Die alte Schule hatte im Lauf der Zeit etliche Funktionen: Postkutschenstation, Lager für Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg , Schul- und Wohngebäude, Weinkeller. Jahrzehntelang wurden Hetzerather Jungen und Mädchen hier unterrichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie schwer beschädigt. 1951 beklagte sich der damalige Hauptlehrer Mischo bei der Gemeinde über die Missstände in dem alten Schulgebäude und bat um den Bau eines neuen Gebäudes. Als Begründung führte er den schlechten baulichen Zustand und den Verkehrslärm an.

Mit dem vermehrten Aufkommen von Autos wuchs die Unfallhäufigkeit auf der sich unmittelbar an der Schule befindlichen, fast rechtwinklig abbiegenden Straße, die damals als „Todeskurve“ bezeichnet wurde. 1954 beschloss der Gemeinderat dann den Schulhausneubau. Die neue Schule in der Bahnhofstraße wurde 1957 fertiggestellt. „Das Projekt Schulhausneubau hielt die Gemüter des Gemeinderates und der Dorfbevölkerung den ganzen Sommer über in Aufruhr“. 

Ende der 1960er Jahre beschloss der Gemeinderat, den gesamten Bereich der alten Schule zu entkernen und durch eine neue, verkehrsfreundlichere Straße zu ersetzen. 1967 wurde das alte Schulgebäude abgerissen. Übrig geblieben sind von den ganzen Gebäuden des ehemaligen zentralen Kerns von Hetzerath lediglich die Häuser Esch und Reuland.

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